Was ist Hypnose?

Der Begriff Hypnose stammt von dem griechischen Wort „Hypnos“ (=Schlaf). Von außen betrachtet sieht es so aus, als wenn der Mensch schläft, wenn er in Hypnose ist. Dabei ist es lediglich ein tiefer Entspannungszustand, bei dem die Augen geschlossen sind, der Herzschlag und die Atmung langsamer werden, während das innere Erleben hoch aktiv ist. Man fühlt sich ganz bei sich und bei seinem inneren Erleben. Diesen Zustand nennt man auch Trance.

Man kann diesen Trancezustand während der Hypnose ungefähr mit dem Zustand kurz vor dem Einschlafen vergleichen. Der Zustand ist ungefähr so, wie zwischen Wachen und Schlafen, in dem man eher in Bildern denkt, die unkontrolliert und spontan auftreten und logisch ungeordnet sind. In diesem Zustand hat man einen besonders guten Zugang zu seinen Gefühlen, die Aufmerksamkeit ist auf das innere Erleben eingeengt, so dass störende Geräusche von außen oft nicht wahrgenommen werden. Die therapeutischen Suggestionen sind in diesem Zustand wirksamer als im Wachzustand, weil sie sofort mit inneren Bildern und innerem Erleben gekoppelt werden.

Die Definition von Hypnose lautet demnach: Hypnose ist „ein Bewusstseinszustand mit fokussierter Aufmerksamkeit und reduziertem peripherem Bewusstsein, der durch eine verbesserte Fähigkeit zur Reaktion auf Suggestionen gekennzeichnet ist.“ (Elkins GR, Barabasz AF, Council JR, Spiegel D. Fortschritte in Forschung und Praxis: die überarbeitete Definition der Hypnose in der APA-Abteilung 30. Int J Clin Exp Hypn. 2014; 63 (1): 1–9.)

 

Was passiert mit mir, wenn ich mich hypnotisieren lasse?

Meist konzentriert man sich darauf, was im Körper geschieht, sodass die Reize von außerhalb nur noch eingeschränkt wirksam werden. Solche Trancezustände erlebt man auch im Alltag, denn blickt man aus einem fahrenden Zug aus dem Zugfenster, nimmt man das Vorbeiziehende manchmal gar nicht bewusst wahr, sodass man sich beim Aussteigen nicht mehr erinnern kann, wie man eigentlich an sein Ziel gekommen ist. (Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik. 2019. https://lexikon.stangl.eu/1316/hypnose-hypnotherapie . Aufgerufen am 15. April 2019.)

Oder wenn man beim Lesen eines guten Buches ganz in die Geschichte eintaucht und alles um sich herum vergisst. Sobald aber jemand zum Beispiel laut den Namen rufen würde, wäre man sofort wieder aus diesem Trancezustand heraus, oder wenn irgendetwas anderes Unvorhergesehenes geschieht. Deswegen ist auch ein Kontrollverlust unmöglich, da ein Teil des Hypnotisanden nicht schläft, sondern noch über ihn wacht.

Der Trancezustand wird in der Regel als sehr erholsam und entspannend erlebt. Diese Entspannung lässt sich auch nachweisen in einer verlangsamten und tieferen Atmung, der Herzschlag beruhigt sich und der Blutdruck wird gesenkt. Manchmal verändert sich auch die Körperwahrnehmung, so dass sich der Körper manchmal schwerer oder leichter anfühlt. Auch nimmt man den zeitlichen Verlauf während einer Trance anders wahr. Häufig kommt es einem so vor, als wenn die Zeit viel schneller vergeht, so wie bei schönen Erlebnissen, wobei man auch die Zeit vergessen kann. Diese zeitliche Verzerrung ist typisch für Hypnose.

Nach einer Hypnose sind die Personen oft über die Lebendigkeit ihrer Vorstellungen verblüfft, die sie erlebt haben. Auch sind manche Klienten ganz überrascht, welche Fähigkeiten in ihnen eigentlich schlummern. Ich werde nach einer Trance häufig ganz ungläubig angeschaut, so als wenn sie es selbst nicht für möglich gehalten hätten, was für Fähigkeiten in ihnen stecken, die sie gerade wirklich erlebt und gespürt haben, so dass sie jetzt wissen, was sie sich alles zutrauen können. Mir kommt es so vor, als wenn die Klienten direkt in ihr Herz geschaut hätten und anschließend genau intuitiv wissen, was zu tun ist. Während ich als Verhaltenstherapeutin immer predige, die Patienten sollen sich konfrontieren und Dinge ausprobieren, muss ich, wenn ich hypnotherapeutisch arbeite, das gar nicht mehr sagen. Meine Patienten machen es automatisch von sich aus, weil sie jetzt ihre inneren Stärken kennen und wissen, dass sie die schwierigen Situationen, die vor ihnen liegen bewältigen können.

Welche Arten von Hypnose gibt es?

Es wird die medizinische Hypnose von der Showhypnose unterschieden. Die medizinische Hypnose ist eine sichere und wirksame therapeutische Methode, die in medizinischen Verfahren bei den unterschiedlichsten psychotherapeutischen Störungsbildern Anwendung findet, während die Showhypnose allein zur Unterhaltung eines Publikums genutzt wird. Leider wird in den Medien dieser Unterschied oft nicht genügend herausgearbeitet, so dass Verwechselungsmöglichkeiten bestehen.

In meinen Kursen und Einzelsitzungen kommt ausschließlich die medizinische Hypnose zur Anwendung. Die Hypnose dient dem Klienten zur Verbesserung seines Anliegens und nennt sich deswegen auch Hypnotherapie.

Hypnotherapie ist definiert als „der Einsatz von Hypnose bei der Behandlung einer medizinischen oder psychischen Störung oder eines Anliegens“ [ 15 , 16 ] und umfasst derzeit eine ressourcenaktivierende und lösungsorientierte therapeutische Haltung und einen hypnosystemischen Sprechstil [ 17 , 18].

Die Hypnotherapie ist die älteste Psychotherapieform, bei der hypnotische Trance und hypnotische Phänomene angewendet werden, wobei sich hypnotische Heilrituale bis in die Frühgeschichte der Menschheit zurückverfolgen lassen.

In der klassischen Hypnosetherapie wurde die Trance induziert, um die Suggestibilität der Patienten zu erhöhen und um dann in diesem Trancezustand direkte Suggestionen zu geben, die direkt auf Gedanken, Erleben und Verhalten von Menschen Einfluss zu nehmen. Die Suggestionen waren dabei stets auf das Symptom gerichtet, so dass die klassische hypnotherapeutische Behandlung als eine symptomorientierte Behandlung bezeichnet werden kann.

Die moderne Hypnosetherapie hat einen etwas anderen Ansatz. Und zwar wird die Trance eingeleitet, um dem Klienten einen besseren Zugang zu seinen Gefühlen und zu seinen emotionalen Erfahrungen zu ermöglichen. Dabei wird sehr ressourcenorientiert gearbeitet. Das bedeutet, dass man den Klienten mit seinen Stärken und Fähigkeiten wieder in Verbindung bringt und ihn diese Stärken und Fähigkeiten erleben lässt, so dass sie wie Kraftquellen für den Patienten spürbar und erlebbar werden. Dadurch rückt man ab, von der rein symptomorientierten Behandlung zu einer Behandlung, die auch die Ursachen, die dem Symptom zu Grunde liegen, verändern kann. Die moderne Hypnotherapie wurde von Milton H. Erickson maßgeblich geprägt und für den Einsatz im therapeutischen Setting weiterentwickelt.

Metastudien zeigen die hohe Wirksamkeit der Hypnose unter anderem bei Ängsten. (Eine Übersicht der Studien im Bereich Hypnotherapie bietet meg-tuebingen.de/downloads/WAK-Hypnose-Studien%20Tabellarisch.pdf.)

Typsiche Anwendungsbereiche der modernen Hypnotherapie bestehen sowohl im klassischen psychotherapeutischen Bereich (ADHS bzw. ADS, Allergien bzw. Heuschnupfen, Ängste bzw. Phobien, Anorexie, Bulimie, Burnout, Chronische Schmerzen, Allergien, Kopfschmerzen, Nägelkauen, Nervosität bzw. Unruhe, Panikattacken bzw. Ängste, Schlafstörungen, Schmerzen, Stress bzw. Burnout, Sprachstörungen, Süchte) wie auch in Form von mentalen Trainings im Sport (Sporthypnose), bei Gewichtsreduktion, bei Raucherentwöhnung, bei Prüfungs- und beruflichen Anforderungen (Prüfungsängste, Lernen, Konzentration)

Vorteile der modernen Hypnotherapie

Bei der modernen Hypnosetherapie werden die bereits vorhandenen positiven Fähigkeiten und Fertigkeiten des Klienten genutzt und er kann sich mit seinen Stärken und Fähigkeiten wieder in Verbindung bringen. In der hypnotischen Trance, die vom Patienten in der Regel als Tiefenentspannung erfahren wird, ist ein lebendiges inneres Erleben als Erweiterung der lediglich bewusst-rationalen Herangehensweise möglich. Dabei kommt es häufig sowohl zu überraschenden Erkenntnissen über die eigene Vergangenheit wie auch zu neuen kreativen Lösungen für die Zukunft, die zugleich sinnlich erfahrbar werden. Der Klient wird darin angeleitet, sich seinen persönlichen Erfolg oder das Erreichen seines persönlichen Zieles vorzustellen, so kommt es zur Aktivierung von Optimismus, die widerum die Chance für die gewünschten Veränderungen erhöhen.

Hypnose wirkt auf der Ebene der Symptome wie auch auf der Ebene der Ursachen. Dadurch kann man Ängste besonders erfolgreich durch Hypnose behandeln (www.aerzteblatt.de/archiv/64599/Hypnotherapie-Bei-Aengsten-und Schmerzen-Hocheffizient)

In der Hypnotherapie wird der Klient angeleitet, eigene Ressourcen letztlich so zu nutzen, dass er Verhaltensmuster verändern kann.

Angst und Hypnose

Angst und Hypnose haben große Ähnlichkeiten. Befindet man sich in einem dysfunktionalen Angstzustand auf der mentalen, emotionalen und körperlichen Ebene, ist man im Prinzip in einer Negativtrance. Anders gesagt: Angstpatienten reagieren hypnotisch. Die vorhandenen Trancephänomene und diese offensichtlich vorhandene Fähigkeit zur Selbsthypnose lassen sich wunderbar therapeutisch nutzen. Z.B. gibt es folgende Trancephänomene bei Ängsten:

Altersregression:

  • Man fühlt sich klein und ausgeliefert, jünger als in Wirklichkeit,
  • Situationen aus der Vergangenheit werden zu Referenzerfahrungen
  • Spontanes Erinnern an ähnliche hilflose Situationen in der Vergangenheit

Altersprogression:

Die Realität wird im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung der Angstinhalten in die Zukunft antizipiert. In der Gegenwart fühlt es sich so an, als wenn die befürchtete Situation in der Zukunft schon Realität wäre.

Amnesie

  • Keine oder eingeschränkte Erinnerung an positive Erlebnisse und Kompetenzerfahrungen
  • Bewältigte Probleme, kraftvolle Entscheidungen, Anerkennung für Geleistetes sind nicht abrufbar.

Wahrnehmungsverzerrung:

  • Angstsituationen scheinen unendlich lang und das Gute verschwindend kurz;
  • Durch die sichere Erwartung von Angst, wächst die Angst weiter und damit entstehen womöglich zusätzliche Angstsituationen (Angst vor der Angst)
  • Misserfolgsorientierung und Misserfolgsüberbewertung;

Sensorische Veränderungen und ideomotorische Reaktionen:

  • Starke physiologische Stressreaktion – Herzklopfen, Zittern, Schwitzen, Hyperventilation etc.
  • Veränderte Sinne – überlautes Hören
  • Zitternde Beine werden als Zeichen für die bevorstehende Katastrophe gedeutet;

Diese genannten Trancephänomene bilden einen Ausschnitt des Erlebens vieler angstgeplagter Klienten ab und können um weitere Phänomene wie Katalepsie, der Angalgesie, Hypermnesie, positiver und negativer Hallunzination ergänzt werden.

Mit der modernen Hypnosetherapie kann man jedem Trancephänomen im Rahmen der Negativtrance ein Phänomen im Rahmen einer Lösungstrance gegenüberstellen und damit unseren Klienten verfügbar machen. Durch die Verbindung mit vorhandenen, nur vergessenen Kompetenzen und dem Aufbau neuer Möglichkeiten leisten wir Ressourcenarbeit. So verwandeln wir den ängstlichen Zustand in einen Ressourcenzustand. (Stefan Hammel/Astrid Vlamynck/Claudia Weinspach: Ängste entzaubern- Lebensfreude finden, 2020, Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-89260-4)

Ihre Effektivität ist demnach am höchsten, wenn man die Hypnose einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung hinzufügt.

Manchmal wird Hypnose mit einem Kontrollverlust verwechselt. Das ist aber zu keiner Zeit der der Fall. Jederzeit kann man aus dem Trance Zustand wieder zurückkehren.

Hypnose als therapeutische Methode

Unter Hypnose versteht man eine therapeutische Methode, die vor allem auf die Kraft der Selbstheilung setzt und einen fast direkten Kontakt mit der Seele ermöglicht.

Im Gehirn konzentriert man sich bei einer Hypnosetherapie nur noch auf die wesentlichen Dinge, während das Übrige ignoriert und auch nicht gespeichert wird. Das Unterbewusstsein steuert viele Vorgänge im Körper, nicht nur Herzschlag und Atmung, sondern auch Reaktionen wie Ängste oder Ekel aber aber Bedürfnisse und das Verlangen nach einem Suchtmittel, die unbewusst und unbeeinflussbar einfach entstehen. So pocht in einer unbeleuchteten, unheimlichen Gasse das Herz schneller, auch wenn man es bewusst verlangsamen und die aufsteigenden Angstgefühle möchte. Erst wenn man diesen unheimlichen Ort wieder verlassen hat und man überzeugt ist, dass keine Gefahr mehr droht, wird der Herzschlag wieder normal und man entspannt sich. Ein Hypnotiseur nutzt diese Tatsachen und verankert unter Hypnose das gewünschte Verhalten im Unterbewusstsein wie z.B. Selbstvertrauen, damit man es im Alltag abrufen kann, etwa wenn man mit dem Lehrer oder einer anderen Autoritätsperson sprechen möchte.

Klassische Hypnose vs. Hypnotherapie nach Milton H. Erickson

Die klassische Hypnose und die Hypnotherapie nach Milton H. Erickson unterscheiden sich auch in der Form der Sprache, denn während in der klassischen Hypnose sehr konkrete und direkte Suggestionen verwendet werden, benutzt die Hypnotherapie nach Milton H. Erickson eher Metaphern, Geschichten und Symbole, um den Klienten in den Trancezustand zu führen.  Da viele Menschen auf Grund von frühkindlichen Erfahrungen in ihrem Urvertrauen erschüttert sind, reagieren sie oft abwehrend gegen die direkten Befehlsformen der klassischen Hypnose. Bei der zeitgenössischen Hypnotherapie steht nicht so sehr die Fremdbestimmtheit hypnotischer Behandlung im Vordergrund, sondern die veränderte Informationsverarbeitung unter Trancebedingungen. Daraus leiten sich eine Reihe von Therapieprinzipien ab, die zum großen Teil auf Erickson zurückgehen. Die moderne Hypnotherapie macht sich also die Möglichkeiten der Trancebedingungen zunutze, um damit ungünstige mentale und physiologische Prozesse zum Wohle des Patienten positiv zu beeinflussen.